Was trauern bedeutet

Ein lieber Mensch ist gestorben. Wie Nahestehende auf den schmerzhaften Verlust reagieren, ist ganz unterschiedlich. Menschen müssen trauern können. Wer aber nicht mehr aus der Trauer herausfindet, braucht behutsame Hilfe.

Statue, die einen nachdenklichen, in sich gekehrten jungen Mann zeigt

Verlust und Trauer

Die Themen Sterben und Tod sind in unserer westlichen Gesellschaft unangenehm. Für viele ein Tabu. Es sind Themen, die vielen auch Angst machen. Die Angst vor Verlust. Und trotzdem: Das Sterben, der Tod, der Verlust sind ein natürlicher Teil des Lebens. Genauso wie das Geborenwerden. Dem allen kann sich niemand entziehen. Im Verlauf eines Lebens wird sich jeder Mensch dieser Erfahrung stellen müssen, in der Regel sogar mehrmals. Die Grosseltern sterben, die Eltern, Geschwister, Freunde, der Partner oder die Partnerin, sogar eigene Kinder. Und auch der Tod eines geliebten Haustiers ist für sehr viele ein besonders schmerzhafter Moment.

Rational und emotional

Natürlich, rational verstehen Trauernde die Unausweichlichkeit des Todes. Was nicht bedeutet, dass sie emotional damit umgehen können. Die körperlichen und psychischen Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Tief Trauernde sind oft schlaflos, appetitlos, unkonzentriert, still, in sich gekehrt, aber auch nervös, ängstlich, und stets von Verlustschmerz geplagt.

Die Erlösung von einer langen, schweren Krankheit kann noch als tröstend angenommen werden. Was die Trauer und den Schmerz über den Verlust aber nicht mindern muss. Noch heftiger können die Nächsten auf einen plötzlichen, unerwarteten Tod reagieren, etwa einen Herzschlag, einen Unfall oder einen Suizid. Als besonders schmerzlich empfinden Trauernde, wenn sie keine Zeit zum Abschied hatten.

Ein Trauerprozess in vier Phasen

Die bekannte Psychotherapeutin Verena Kast spricht von vier Phasen des Trauerprozesses:

  • Die Phase von Schock und Nicht-Wahrhaben-Wollen.
  • Die Phase aufbrechender Gefühle wie z.B. Verzweiflung, Angst, Einsamkeit, Schuld oder andere Gefühle, zum Teil verbunden mit körperlichen Begleiterscheinungen wie z.B. Appetitverlust oder Schlaflosigkeit.
  • Die Phase der langsamen Neuorientierung, in der man zu seinen Aktivitäten zurückfindet oder neue aufnimmt.
  • Die Phase des neuen inneren Gleichgewichts mit einer positiven Einstellung zu sich und der Zukunft.

Die Phasen sind fliessend und verlaufen nicht bei allen Trauernden auf die gleiche Weise. Aber die Erfahrung zeigt, dass die meisten Trauernden diese Phasen so oder ähnlich durchlaufen. Das Wissen um diesen Trauerprozess kann helfen, die eigene Trauer einzuordnen. Denn die Phasen verdeutlichen, dass selbst eine tiefe Trauer zu bewältigen ist – und genau das gibt Hoffnung.

Trauer verarbeiten

Was der Trauerprozess auch aufzeigt: Ohne das eigene Wollen und Zutun lässt sich eine schwere Trauer kaum verarbeiten. Der Schmerz verschwindet nicht einfach so. Wer trauert, wird sich mit der Situation auseinandersetzen und sich langsam öffnen müssen. Verarbeitende Gedanken und Gespräche helfen weiter, aber auch Aktivitäten, allein und mit nahestehenden Menschen. Hilfreich kann auch sein, sich mit anderen Trauernden auszutauschen, zum Beispiel in Internetforen.

Auch wenn der Anstoss für solche Begegnungen und Aktivitäten anfangs noch schwer fällt, lohnt es sich, die Kraft für diesen Anstoss aufzubringen. So können Trauernde sachte und langsam zurück ins Leben finden. Und vielleicht ist das ja ein anderes, ein neues Leben, mit völlig neuen Erfahrungen, die man vorher nicht für möglich hielt.

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